03.07.2012

: Wordingstudie 2012 – wie verständlich sind Begriffe im Internet?

Eine interessante Studie untersuchte die Verständlichkeit typischer Anglizismen im Internet. Wie gut werden diese verstanden? Können die Nutzer mit Anglizismen sicher umgehen? Abgefragt wurden 1500 Personen zu Begriffen wie Tagwolke (nicht zu verwechseln mit Nachtwolke), Facebook, Following, Liken, Widget oder Cloud. Es wurden also speziell für Begriffe, die häufig im Kontext von Social Media verwendet, nachgefragt ob diese auch verstanden werden. Mit teilweise recht interessanten Ergebnissen. So zeigt sich vor allem, dass die etwas ungewöhnlicheren Worte wie liken oder Tagwolke doch nicht ganz so verständlich sind, wie es die weite Verbreitung dieser Begriffe vermuten lässt.

Dabei erreichte beispielsweise Facebook einen Bekanntheitsgrad von 95,8 Prozent. Damit kannte fast jeder Internetnutzer das Social-Media schlechthin. Anders sieht es hingegen bei Google+ aus. Diesen Begriff kannten nur 58 Prozent der Befragten Personen. (Bei den unter 29-Jährigen waren es mit 65 Prozent nicht wirklich sehr viel mehr als die 55 Prozent der über 30-Jährigen. Noch weniger bekannt war der Begriff liken (im Sinne von gefällt mir). Nur 49,2 Prozent der Befragten kannten diesen Begriff, wobei hier die unter 30-Jährigen den Begriff deutlich häufiger kannten als die über 50-Jährigen, bei denen nur 24,5 Prozent der Befragten etwas mit dem Begriff anfangen konnten. Der Begriff Tagwolke kam sogar nur auf einen Bekanntheitsgrad von 14,8 Prozent. Selbst bei den unter 29-Jährigen erreichte die Tagwolke nur einen Bekanntheitsgrad von 19 Prozent.

Fazit: Die Verwendung englischer (Fach-)begriffe scheint hipp zu sein, aber nicht immer zu funktionieren. Wie auch schon in anderen Studien belegt, ist die Verwendung von Anglizismen und Fachwörtern oft eine unüberwindbare Barriere für Nutzer. Dabei spielen oft mehrere Aspekte eine Rolle. Zum einen sind die Englisch-Kenntnisse oft deutlich überschätzt, zum anderen sind Fachbegriffe oft nur für Experten verständlich. Daher empfehlen wir auch immer wieder, gerade bei Webseiten, sehr stark auf die Bezeichnungen zu achten. Nicht nur Navigatiosnelemente müssen dahingehend überprüft werden, sondern vor allem auch der Content, in dem die Verwendung solcher Begriffe oft unkontrolliert erfolgt. Die Überprüfung, ob Begriffe barrierefrei sind, für die Zielgruppe geeignet und leicht verständlich sind, lässt sich dabei auf verschiedene Wege realisieren. Zum einen gibt es sehr gute Experten-Verfahren, aber auch Software-basierte Prüfungen oder ein testen mit der Zielgruppe (Eye-Tracking, Thinking Aloud oder Readability User Tests) können hier für Unternehmen hilfreich sein.

Veröffentlicht von:

Anikar Haseloff

Anikar Haseloff

Als Kommunikationswissenschaftler beschäftigt sich Dr. Anikar Haseloff tagtäglich mit Sprache. Er lehrt und forscht zum Thema Verständlichkeit an mehreren Universitäten in Deutschland.

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