23.06.2013

: Verstehen Sie nur railway station?

Die Durchsagen der Bahn sowie die Informationen die Kunden an die Hand gegeben werden wurden in der Vergangenheit öfters kritisiert. Vor allem an den Anglizismen störten sich viele Kunden der Bahn. Diese Kritik hat die Bahn zum Anlass genommen, den Kampf gegen die Anglizismen oder das sogenannte Denglisch, eine Vermischung deutscher und englischer Begriffe, aufzunehmen.

Entstanden ist eine Liste von 2200 Begriffen, die die Bahn nicht mehr verwenden will. Diese wurden den Mitarbeitern in einem Glossar an die Hand gegeben, mit Regeln wie die deutsche Sprache verstärkt verwendet werden kann. Dabei soll vor allem die Verwendung von englischen und scheinenglischen Begriffen zu verwenden. Geiment sind damit so Begriffe wie der „Service Point“ (hesst jetzt „DB Informationen“) oder „Counter“ (heisst jetzt einfach „Schalter“), die sich zwar in manchen Ohren modern anhören, aber beim Kunden oft Rätselraten hervorrufen.

Diese Überschätzung der Englisch-Kenntnisse der Bevölkerung wird von Marketing-Experten oft überschätzt. Slogans, Begriffe oder neue Produkte werden gern englisch bezeichnet. Und man geht dann davon aus, dass der Kunde das versteht. Ist aber oft nicht so. Dies zeigt die jährliche Studie zu Werbeslogans. So haben die befragten Nutzer immer massive Probleme, englische Slogans korrekt zu übersetzen. So wird beispielsweise der Slogan „Come in and find out“ gerne übersetzt mit „kommen Sie herein und finden Sie wieder heraus“. Nicht unbedingt das, was sich die Marketing-Agentur unter dem Slogan vorgestellt hat. Oder nehmen wir den Slogan der RWE, der lautet „One Group. Multi Utilities“. Nur 8 Prozent der Befragten übersetzten diesen Slogan richtig. Lustige Übersetzungen dafür waren beispielsweise „Eine Gruppe. Viele Werkzeuge“ oder „Ohne Gruppe. Multikulti“.

Daran erkennt man, dass der Ansatz der Bahn völlig richtig ist, und teils auch wichtig. Vor allem natürlich auch für die Menschen, die nicht mit Englisch in der Schule aufgewachsen sind, sondern vielleicht mit Russisch. Die Bahn ist das Thema auch recht umfassend angegangen.So sollen zukünftig auch durchaus bekannte Begriffe wie „Highlights“ für besonders tolle Angebote ebenso vermieden werden wie die Hotlines, die wieder zu Service-Nummern werden. Obwohl Service ja streng genommen auch ein Anglizismus ist.  Bei anderen Begriffen wie z.B. M Call-a-Bike werde in Zukunft erläuternd hinzugesetzt: „Das Mietrad-Angebot“.

Dabei sollen aber keinesfalls alle Anglizismen verbannt werden. Der Intercity Express wird es auch in Zukunft genauso noch geben wie die BahnCard. Oder Englische Durchsagen, wo Touristen die Bahn nutzen. Somit kann man der Bahn hier viel Glück wünschen. Der Ansatz ist durchaus richtig, wie verschiedene Studien zur Verwendung von Anglizismen aufzeigen. Es wird sich in Zukunft zeigen, ob die Bahn ihre Vorgaben auch konsequent umsetzen kann.

Veröffentlicht von:

Anikar Haseloff

Anikar Haseloff

Als Kommunikationswissenschaftler beschäftigt sich Dr. Anikar Haseloff tagtäglich mit Sprache. Er lehrt und forscht zum Thema Verständlichkeit an mehreren Universitäten in Deutschland.

2 Kommentare

  1. Andreas Borg | 28.06.2013 | 09:21

    Grundsätzlich guter Ansatz der Bahn, solange sie kein zweischneidiges Schwert draus macht und die Hinweise für englischsprachige Reisende bzw. Touristen zusätzlich zu den deutschen Begriffen erhält. Wenn ich auf weiteren Dienstreisen bin, bin ich auch dankbar, wenn ich mich an den Bahnhöfen zurecht finde.

  2. Haseloff | 28.06.2013 | 09:27

    Ja, das sehe ich ähnlich, das kann auch zu einem zweischneidigen Schwert werden. Daher ist es ja recht sinnvoll von der Bahn nicht alle Anglizismen zu ersetzen (wie. z.B. auch Intercity Express), sondern nur diejenigen, die sie als vermeidbar einstufen (z.B. Service-Point). Alles in allem aber eine wirklich schwere Aufgabe…:)

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