23.05.2014

: Studie zur EU-Wahl 2014: Verständlichkeit der Wahlprogramme

Die Universität Hohenheim hat in einer aktuellen Studie in Zusammenarbeit mit dem Communication Lab Ulm die Wahlprogramme der Parteien zur EU-Wahl untersucht. Die Ergebnisse bestätigen: Europapolitik ist alles andere als verständlich, transparent und bürgernah.

Dabei gehören die Programme der Parteien im diesjährigen Wahlkampf zu den verständlichsten. Zu dieser Aussage kommt Professor Brettschneider vom Institut für Kommunikationswissenschaften der Universität Hohenheim. Er hat die Wahlprogramme aller Parteien seit 1979 mit der Software TextLab analysiert. Verglichen mit den letzten drei Jahrzehnten schneiden die Programme dieses Jahr besser ab als jemals zuvor.

Die Parteien haben anscheinend dazugelernt. Doch auch 2014 finden sich in den Programmen noch viele Verstöße gegen die Verständlichkeit: komplexe Fremd- und Fachwörter, Anglizismen und Denglisch, lange Wortungetüme und Bandwurmsätze mit bis zu 87 Wörtern.

Gemessen wurden die Programme mit dem vom Communication Lab und der Universität Hohenheim entwickelten Hohenheimer Verständlichkeitsindex. Er berücksichtigt unter anderem die Länge von Wörtern und Sätzen, und bewertet die formale Verständlichkeit eines Textes.

AfD ist Schlusslicht der Studie

Das formal unverständlichste Parteiprogramm stammt von der AfD, die dieses Jahr zum ersten Mal dabei ist. Nur 6,4 Punkte erreicht die Partei auf dem Hohenheimer Verständlichkeitsindex. Zum Vergleich:  Eine politikwissenschaftliche Doktorarbeit liegt bei einem Wert von etwa 4 Punkten, ein politischer Artikel in der Bild-Zeitung bei etwa 16. Die Skala reicht von 0 (sehr unverständlich) bis 20 (sehr verständlich).

CSU kommuniziert am einfachsten

Mit einem Wert von 13 Punkten ist die CSU Spitzenreiter und hebt sich deutlich von den anderen Parteien ab. Der Europaplan ist mit nur 17 Seiten außerdem das kürzeste Programm. Ganz im Gegensatz zu den Grünen, die mit 120 Seiten das mit Abstand längste Programm vorlegen.

Die Ergebnisse der anderen Parteien liegen nah beieinander: Linke (6,8), FDP (7,5) und Grüne (7,7) bleiben unter dem Durchschnitt von 8,9 Punkten zurück. CDU (9,5) und SPD (8,9) schaffen es auf Platz zwei und drei.

Die Verständlichkeit ist mit Sicherheit nicht das einzige und entscheidende Kriterium für die Qualität der Wahlprogramme. Denn nach wie vor zählt der Inhalt. So kann man natürlich Unsinn sehr verständlich darstellen. Eine inhaltliche Wertung fand in der vorliegenden Studie nicht statt. Daher sagen die gemessenen Verständlichkeitswerte auch nichts über die Qualität des Inhalts aus, sondern rein wie formal verständlich die Inhalte präsentiert werden.

Fest steht aber: Wer sich aktiv mit den Inhalten der Programme auseinandersetzen will, steht auch bei dieser Wahl vor einer Herausforderung. Der „Umsatzsteuerkarusellbetrug“ (CDU), „Semesteranfangskorridor“ (FDP), die „Transition-Town-Bewegung“ (Grüne) oder die „Grundschleppnetzfischerei“ (Linke) machen es den Wählern nicht gerade leicht.

 

Links zur Studie:

Artikel in der Welt

Artikel in der Südwest Presse

Universität Hohenheim

 

Downloads:

Pressemitteilung Universität Hohenheim

 

Veröffentlicht von:

Natalie Streiftau

Natalie Streiftau

Als Sprachexpertin, die für verschiedene Kunden Sprachprojekte leitet, betrachtet Frau Streiftau Sprache immer unter ganz praktischen und praxisnahen Aspekten.

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