18.09.2013

: Schwieriger Text – schlauer Texter?

Es gibt Wörter und Formulierungen, die scheinbar nur den Autoren ein Begriff sind, die sie verwenden. Wenn überhaupt.Bei unserer täglichen Arbeit begegnen uns so interessante Wörter wie „aliquot“, „gängeln“ und „portieren“. Wir lesen auch häufig Kreationen wie „unverfallbar“, „Uneinbringlichkeit“, „rechtshängig“, und und und. Verpackt in endlose und verschachtelte Sätze wünschten wir uns manchmal, wenigstens Spanisch zu verstehen.

Scheinbar meinen manche Autoren komplizierte Sprache wirke seriöser, professioneller und gebildeter.  Sie  soll wohl einem Text eine gewisse Gültigkeit verleihen.  Aber: Ist das tatsächlich so oder ist das bloß der Irrglaube mancher Autoren und Texter?

 

Sprache als Werkzeug
Eins ist klar: Mit Sprache lässt sich viel bewirken. Sie ist sozusagen ein Werkzeug, mit dem wir für eine Sache unterschiedliche Effekte erzielen können:

Mit passiven Formulierungen verschleiern wir, wer die handelnde Person ist. Als „Täter“ bezeichnet bekäme die handelnde Person gleich etwas Gefährliches.

Mit rhetorischen Fragen regen wir zum Nachdenken an. Eine Frage bezieht den Leser oder Zuhörer unweigerlich in den Dialog mit ein.

Und mit schwierigen Wörtern und verschachtelten Sätzen wollen wir wohl gebildet wirken. Aber führt das wirklich zum Ziel? Denken Sie bei schwierigen Texten wie beispielsweise  Vertragsbedingungen: „Beeindruckend – der Verfasser muss ein kluges Köpfchen sein“? Oder wäre es nicht gut, auch zu verstehen was man liest?

 

Weil einfach einfach besser ist
Wissenschaftler um Daniel Oppenheimer von der Princeton University untersuchten schon vor einigen Jahren den Zusammenhang von Sprache und Intelligenz. In der Studie bekamen Testpersonen verschiedene Textsorten mit einfacher und komplizierter Sprache zu lesen.

Das verblüffende Ergebnis: Je einfacher die Sprache, desto intelligenter wirkt der Autor! Auch Marcel Reich-Ranicki stellte schon fest: „Unverständlichkeit ist noch lange kein Beweis für tiefe Gedanken“.

Die Ergebnisse bestätigen einmal wieder: einfache und verständliche Sprache lohnt sich eben doch.

Den ausführlichen Artikel gibt’s hier: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/textwahrnehmung-simple-sprache-wirkt-intelligenter-a-382730.html.

Von unserer Gastautorin: Anja Wehner

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Veröffentlicht von:

Anja Wehner

Anja Wehner

Die Wirtschaftsanglistin beschäftigt sich vor allem mit der Analyse von Sprache. Gerade aber in formaler Hinsicht bietet Sprache vielfältige wissenschaftliche Aspekte.

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