04.07.2012

: Schlechte Krisenkommunikation – keiner versteht die Krise

Eine weitere interessante Studie der Universität Hohenheim belegt, dass kein Mensch die Krise versteht. Beziehungsweise, dass die Menschen in der Euro- und Schuldenkrise gerne verständliche Informationen hätten – diese aber weder von Politikern oder Journalisten noch von Unternehmen bekommen. Weder Politiker, noch Journalisten oder Finanzunternehmen scheinen nach Aussage der Befragten in der Lage zu sein, die Krise so zu erklären, dass die Menschen verstehen, worum es eigentlich geht. Damit sinkt die Glaubwürdigkeit dieser Gruppen noch weiter in den Keller (wobei man bei den Finanzunternehmen und den Poltikern bald einen zweiten Keller bauen muss).

Die Gemeinschaftsstudie des Fachgebiets für Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim  und der ING-DiBa AG untersuchte dabei, wie Bürger die Kommunikation in der Euro- und Schuldenkrise wahrnehmen und bewerten. Ein wichtiges Ergebnis der Studie: Die Mehrheit der Menschen vertraut weder den Aussagen der Politiker noch der Kommunikation von Unternehmen. Den Aussagen der Journalisten zur Krise glaubt jedoch immerhin die Hälfte der Bürger.

Politik und Unternehmen im Glaubwürdigkeitstief

Die meisten Menschen halten Politiker und Vertreter der Wirtschaft generell für unglaubwürdig. Den Aussagen der Bundesregierung misstrauen 60 Prozent der Befragten. Interessant ist, dass die Glaubwürdigkeit der Wirtschaftsvertreter weiter sinkt. Nur 40 Prozent der Befragten glauben den Aussagen von Unternehmen. Nimmt man die Finanzbranche, dann sinkt dieser Wert nochmals drastisch: 78 Prozent  der Befragten misstrauen den Aussagen der Finanzbranche. Damit bestätigt sich die Vertrauenskrise, in der sich die Finanzbranche befindet, wieder einmal sehr deutlich. Die Finanzbranche ist somit stark unter Handlungsdruck, dieses Misstrauen durch offene, wertschätzende, höfliche und verständliche Kommunikation abzubauen und Vertrauen zu schaffen.

Woran liegt das Misstrauen und weshalb haben die Bürger das Gefühl, dass sie die Krise nicht verstehen? Es liegt an der mangelnden Verständlichkeit der Akteure:  Nur für knapp 30 Prozent der Bürger sind die Aussagen der Politiker zur Krise verständlich. Etwas mehr Befragte (34 Prozent) finden die Kommunikation der Unternehmen verständlich. Dies ist als ein durchaus drastisches Ergebnis anzusehen. Und zeigt interessante Parallelen zur kürzlich veröffentlichten ERGO-Studie: Bei Unverständlichkeit unterstellen die Verbraucher Absicht – und damit sinkt das Vertrauen massiv.

Dabei sollte es doch ein Anliegen von Politik und Finanzbranche sein, das Thema der Euro- und Schuldenkrise so einfach wie möglich zu kommunizieren. Denn nur wenn die Bürger verstehen, worum es eigentlich geht, kann man auch die diffusen Ängste abbauen und Vertrauen schaffen. Und das die Bürger verstehen, was Politik und Finanzunternehmen zur Krise sagen möchten, liegt in der Hand der Politiker und Unternehmen. Verständlichkeit ist eine Aufgabe der Sender, also von dem, der kommuniziert. Dies wird leider oft vergessen. Gerade Politiker sprechen oft nicht mehr die gleiche Sprache wie Ihre Bürger. Und auch Finanzunternehmen kommunizieren oft von oben herab mit ihren Kunden. Dinge, die vor dem Hintergrund der Krise und des massiven Vertrauensverlustes eigentlich nicht sein dürften.

Man kann diesbezüglich eigentlich nur hoffen, dass Politik und Finanzunternehmen sich dem Thema Verständlichkeit annehmen. Sich und ihre Kommunikation hinterfragen und Strategien entwickeln, wie eine verständliche Kommunikation erreicht werden kann und dann auch langfrsitig gesichert werden kann. Lösungen zum Thema Verständlichkeit gibt es ja mittlerweile genügend. Man muss diese nur nutzen (wollen).

Mehr zur Studie: Universität Hohenheim

Veröffentlicht von:

Anikar Haseloff

Anikar Haseloff

Als Kommunikationswissenschaftler beschäftigt sich Dr. Anikar Haseloff tagtäglich mit Sprache. Er lehrt und forscht zum Thema Verständlichkeit an mehreren Universitäten in Deutschland.

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