01.12.2011

: Produktinformationsblätter für alle Riester-Produkte gefordert

Die Riester-Rente stand in letzter Zeit unter scharfer Kredit. Viele Riester-Produkte lohnen sich für den Verbraucher nicht, denn oft fressen die Kosten die staatliche Förderung auf. So schreibt beispielsweise die Süddeutsche Zeitung am 16. November mit Berufung auf die Hans-Böckler-Stiftung:  „Teuer, Riskant, Renditeschwach“.

Jetzt wird mehr Anlegerschutz und Transparenz gefordert. Schließlich solle der Verbraucher ja wissen, was ihm bei einem Produkt letztlich bleibt. Es ist zwar erstaunlich, dass man dies nicht von Anfang an fordert, aber lieber spät als nie. Als erster Schritt soll es nun ein Produkt-Informationsblatt für alle Riester-Produkte geben.

So schreibt die Internet-Plattform cecu.de: „Die Warnschüsse des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung verfehlten ihr Ziel offenbar nicht. „Der Riester-Sparer muss wissen was rauskommt“, so Bundesarbeits- und Bundessozialministerin Ursula von der Leyen. Angesichts der Tatsache, dass die Renditen der Riester-Verträge denen eines Sparstrumpfes ähneln, tritt die Regierung für mehr Transparenz und Anlegerschutz für den Verbraucher ein. Die Pläne sehen vor, ein Produktinformations-Blatt (PIB) für alle Riester-Produkte zu gestalten“

Ziel soll es hierbei wiederum sein, für mehr Transparenz und Klarheit beim Verbraucher zu sorgen. Doch nicht nur Produktinformationsblätter sind im Gespräch. Auch die Deckelung der Provisionen zur Senkung der Kosten für den Verbraucher stehen zur Debatte. Aber um beim Produktionformationsblatt zu bleiben: Kann dies eine Hilfe sein?

Das Produktinformationsblatt kann mit Sicherheit ein erster guter Schritt für den Vebraucher sein. Letztlich natürlich nicht der Einzige, denn ohne eine Veränderung der Rahmenbedingungen ist das Produkt bei transparenter Kommunikation aller Kosten teilweise uninteressant für den Verbraucher, da die Renditen ähnlich dem eines Sparstrumpfes sein können.

Denoch kann das Produktinformationsblatt einen wertvollen Beitrag zur Aufklärung der Verbraucher leisten. Dazu müssen aber die Kosten transparent beschrieben werden. Und dies auch noch verständlich. Mehrere Studien zu den Produktinformationsblättern zeigten übereinstimmend auf, dass diese Ihr Ziel, nämlich den Verbraucher verständlich und vergleichend zu informieren, teilweise noch weit verfehlen.

Umso mehr müssen die Produktinformationsblätter der Riester-Produkte die bislang kritisierten Schwachstellen abschaffen. Was heisst das konkret?

  • Die Produktinformationsblätter müssen verständlich geschrieben sein. Die verwendete Sprache muss sich an Laien wenden und sollte auf Fachsprache und komplexe Beschreibungen verzichten.
  • Kosten müssen transparent dargestellt werden. Es hilft dem Verbraucher nicht, wenn aus dem Produktinformationsblatt eine Marketing-Broschüre wird, die wichtige Kosten nicht auflistet und der Verbraucher am Ende seine Überraschung erlebt.
  • Die Produktinformationsblätter müssen vergleichbar sein. Dies bedeutet, dass der Inhalt stärker festgeschrieben sein muss als es bisher der Fall ist. Input kann man sich da bei der Pharma-Industrie holen. Da werden nicht nur Aufbau, Inhalt und Struktur vorgegeben, sondern sogar ganze Sätze werden dort vorgegeben.

Sollten diese Punkte eingehalten werden, sind Produktinformationsblätter sicherlich eine gute Hilfe für den Verbraucher.

Links:

Süddeutsche

cecu.de

Veröffentlicht von:

Anikar Haseloff

Anikar Haseloff

Als Kommunikationswissenschaftler beschäftigt sich Dr. Anikar Haseloff tagtäglich mit Sprache. Er lehrt und forscht zum Thema Verständlichkeit an mehreren Universitäten in Deutschland.

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