01.08.2014

: Neue Studie, bekannte Schwächen: PIB nach wie vor undurchsichtig und komplex

Man kann sich fragen, warum in Brüssel über immer wieder neue Formate der Verbraucherinformation im Finanzsektor diskutiert wird,  während die Unternehmen heute schon mit den bereits vorgeschriebenen Informationen zu kämpfen haben. Diese Einschätzung wird durch zahlreiche  Studien der vergangenen Jahre untermauert.

So auch jetzt wieder: das Institut für Transparenz  (ITA) in Berlin hat verschiedene  Produktinformationsblätter (PIB) von Renten- und Kapitalversicherungen untersucht. Produktinformationsblätter spielen seit 2011 eine besondere Rolle in der Verbraucheraufklärung zu Finanzprodukten: das PIB hat zur Aufgabe den Verbraucher  in knapper, übersichtlicher und verständlicher Form über die wichtigsten Inhalte von Finanzprodukten zu informieren. Das Produktinformationsblatt soll zudem Verbraucher dabei unterstützen, Finanzprodukt besser mit einander  vergleichen zu können.

Das ITA hat in der Untersuchung insgesamt  438 PIB von 63 Anbietern unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse bestätigen andere Studien zu diesem Thema: verständliche und transparent Produktinformationsblätter sind nach wie vor eine Seltenheit.

Im Fokus der Studie stand vor allem die inhaltliche Vollständigkeit der PIB gemäß gesetzlicher Vorgaben. Dieses Kriterium  wurde höher Bewertet als die Kriterien Verständlichkeit, Übersichtlichkeit und Angaben von Kosten.

Bereich

Kriterien

Gewichtung in %

Inhaltliche Vollständigkeit

29

60

Übersichtlichkeit und Knappheit

2

15

Verständlichkeit

2

15

Angabe der Kosten

3

10

 

 

Die Ergebnisse

Lediglich 13 Prozent der Produktinformationsblätter schneiden in der Untersuchung mit „sehr gut“ ab. Diese 13 Prozent der Produktinformationsblätter erreichen diese Wertung vor allem durch das Einhalten der gesetzlichen Vorgaben.

Den Test nicht bestanden haben insgesamt 61 Produktinformationsblätter von 14 Anbietern. Das heißt: 14 Prozent aller untersuchten Produktinformationsblätter erfüllen laut der ITA-Studie nicht einmal die gesetzlichen Vorgaben.

Wertung

Anzahl PIBs

Sehr gut

55

Gut

97

Befriedigend

153

Ausreichend

72

Nicht bestanden

61

 

 

  „Transparenz wird nicht gelebt“

Besonders gravierende inhaltliche Verstöße stellte das ITA bei wichtigen Bestandteilen der Produktinformationsblätter fest. Bei 61 Prozent aller PIB weisen die Anbieter die versicherten Risiken zum Auszahlungsbeginn nicht vollständig aus. Hinzu kommt, dass bei 87 Prozent aller Produktinformationsblätter die Kosten unübersichtlich dargestellt und damit nicht auf den ersten Blick erkennbar sind.

„Unsere  Untersuchung belegt zum wiederholten Mal, dass Transparenz nicht gelebt wird“, kommentiert Mark Ortmann, Geschäftsführer des ITA, die Ergebnisse.

Eigentlich sollte zumindest die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen eine Selbstverständlichkeit sein für eine Branche, deren Weste dem Ruf nach sowieso nicht die reinste  ist. Ebenso müssen die verantwortlichen Behörden die  Einhaltung der Vorgaben sicherstellen. Keins von beiden ist jedoch der Fall. Dazu hat Dr. Mark Ortmann eine klare Meinung:

„Wenn ein Restaurant die gesetzlichen Vorgaben nicht einhält, wird es dicht gemacht. Im Versicherungsbereich überwacht dagegen niemand, ob Versicherer die gesetzlichen Anforderungen bei den Produktinformationsblättern einhalten“.


Keines der PIB ist leicht verständlich

Neben der Transparenz sind auch Verständlichkeit, Lesbarkeit und Übersichtlichkeit wesentliche Faktoren für die Laientauglichkeit eines Produktinformationsblattes. Allerdings gibt es auch hier erheblichen Nachholbedarf. Häufig enthalten Die PIB lange, verschachtelte Sätze und komplexe Wörter. Insgesamt kann keines der PIB als leicht verständlich bewertet werden.

Auch die Übersichtlichkeit und Lesbarkeit sind Verbesserungswürdig. So sind fast alle Produktinformationsblätter in einer Schriftgröße unter 11 Punkten verfasst und somit schwer zu lesen. Positiv aufgefallen ist hingegen, dass die einzelnen inhaltlichen Abschnitte bei einer Vielzahl der PIB gut erkennbar sind.

Mit ihrer Untersuchung untermauert das ITA Ergebnisse anderer Studien zum Thema Verständlichkeit in der Finanzkommunikation: die Finanzkrise hat zwar Bewegung in die Kommunikation der Branche gebracht, das Ziel ist aber für die meisten der Unternehmen noch nicht in Reichweite. Auch die verantwortlichen Behörden haben es bislang versäumt, klare Vorgaben zu machen und eine verlässliche Kontrolle der Einhaltung zu etablieren.

 

ITA-Studie: http://www.ita-online.info/Publikationen/190#Die%20Untersuchung

Veröffentlicht von:

Oliver Haug

Oliver Haug

Der Geschäftsführer des Communication Lab berät Unternehmen täglich in anspruchsvollen Sprachprojekten. Spezialisiert ist er auf Corporate Language und Unternehmenskommunikation.

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