17.08.2011

: Kleingedrucktes: aber bitte verständlich

Das Kleingedruckte bei Versicherungen ist nach Ansicht des Bundes der Versicherten oft unverständlich und unübersichtlich. Wegen ihrer intransparenten Klauseln in der Privathaftpflicht-Versicherung mahnte der Verband jetzt die Gesellschaften Allianz, AXA und R+V ab. „Der typische Durchschnittskunde ohne versicherungsrechtliche Kenntnisse ist durch die intransparenten Informationen benachteiligt“, kritisierte BdV-Vorstandsmitglied Thorsten Rudnik am Donnerstag.

Grundsätzlich kritisieren die Verbraucherschützer die Zweiteilung des Bedingungswerkes. In den Allgemeinen Versicherungsbedingungen für die Haftpflichtversicherung würden Ausschlüsse formuliert, die zum Teil durch die Besonderen Bedingungen wieder aufgehoben würden, erklärte der BdV. Obendrein gebe es noch Klauseln, in denen wiederum Abweichungen geregelt seien. Dieses Zusammenspiel der einzelnen Bedingungsteile sei nicht nachvollziehbar, kritisierte Rudnik. „Der Versicherungsteilnehmer muss an mehreren Stellen nachlesen, wie er in einer bestimmten Situation versichert ist.“

Der BdV habe deshalb Allianz, AXA und R+V aufgefordert, die sogenannte Benzinklausel sowie weitere intransparente Klauseln etwa zu gewässerschädlichen Stoffen und zum elektronischen Datenaustausch nicht mehr zu verwenden. Die Verbraucherschutzorganisation appellierte zudem an den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, seine Musterbedingungen entsprechend zu ändern, da sie von vielen Versicherern übernommen würden.

Insbesondere die angesprochene Zweiteilung ist oft ein problem. Dieses begegnet einem auch immer wieder in prospekten. Während die Vorteile in schön verständlichen Schlagworten und kurzen Sätzen dargestellt werden, kann man das Kleingedruckte weder lesen noch verstehen. Ob jedoch die Versicherer sich zukünftig mehr um das Kleingedruckte kümmern wollen? Es bleibt abzuwarten, denn im Zusammenspiel von Marketing und Juristischer Fachabteilung sind Prozesse zur Änderung der Sprache oft langwierig.

Quelle: Yahoo (direkt zum Artikel)

Veröffentlicht von:

Anikar Haseloff

Anikar Haseloff

Als Kommunikationswissenschaftler beschäftigt sich Dr. Anikar Haseloff tagtäglich mit Sprache. Er lehrt und forscht zum Thema Verständlichkeit an mehreren Universitäten in Deutschland.

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