03.08.2012

: Hartz IV für viele unverständlich

Zumindest versteht keiner die Antragsformulare, wie eine Studie der Arbeitsagentur ergab. Dabei kritisieren die Befragten vor allem die Unverständlichkeit der Antragsformulare und Bescheide. Die Befragten geben der Arbeitsagentur bei diesem Aspekt Noten zwischen 3 und 6.

Dieses Ergebnis deckt sich sehr gut mit den spannenden Ergebnissen der ERGO-Studie zu Verständlichkeit. Dort schloss das Finanzamt mit seinen Bescheiden als letzter in der Studie ab. Dies sind eigentlich alarmierende Ergebnisse. Denn es wird gern und schnell unterschätzt, wie viel fehlende Verständlichkeit kostet.

Ein einfaches Rechenbeispiel: Nehmen wir einmal an, eine Behörde verschickt 100 000 Bescheide. Von den Empfängern hat jeder 4. Empfänger eine Frage zu dem Bescheid, weil er irgendetwas nicht verstanden hat. Nehmen wir weiter an, dass die Mitarbeiter der Behörde sehr gut und effektiv arbeiten und jede Nachfrage in nur 10 Minuten beantworten. Trotz dieser guten Leistung fallen 174 Arbeitstage an, um die (unnötigen) Rückfragen zu beantworten. Dies wiederum in Kosten umgerechnet ergibt bald schon astronomische Summen.

Diese Kosten werden von Behörden und Unternehmen gerne unterschätzt. Aber Unverständlichkeit kostet bares Geld. Nicht nur, wie oben aufgezeigt, in Form von unnötiger Arbeitszeit. Auch wenn in einem Bescheid oder Antrag Handlungen vom Betroffenen gewünscht werden, und diese Handlungen nicht (oder falsch) ausgeführt werden Denn dann muss ein Mitarbeiter den Fall wieder aufgreifen und es wird wiederum wertvolle Arbeitszeit mit unnötigen Arbeitsschritten verschwendet.

Daher sollten Unternehmen heute der Verständlichkeit einen hohen Stellenwert einräumen. Denn sie hat nicht nur einen hohen Einfluss auf die Wahrnehmung, also das Image des Unternehmens, sondern Unverständlichkeit kann richtig viel Geld kosten.

Dabei unterschätzen wir keinesfalls, dass es sehr schwer ist verständlich zu kommunizieren. Aber es ist machbar. Strategien zu verständlicher Kommunikation oder spannende Beispiele (Case Studies) finden Sie hier.

Mehr Infos zur Studie: Spiegel Online

Veröffentlicht von:

Anikar Haseloff

Anikar Haseloff

Als Kommunikationswissenschaftler beschäftigt sich Dr. Anikar Haseloff tagtäglich mit Sprache. Er lehrt und forscht zum Thema Verständlichkeit an mehreren Universitäten in Deutschland.

2 Kommentare

  1. amb | 15.10.2012 | 16:22

    Liegt es nicht auch an der Sprachverständlichkeit generell? Es ist allerdings nicht von der Hand zu weisen, dass ein grösserer Teil der H4-Empfänger mit Migrationshintergrund ist und sich mit der deutschen Sprache im Allgemeinen schwer tut. Das Beamtenkauderwelsch tut da leider noch den Rest. amb

  2. Marzia | 22.10.2012 | 01:16

    Hallo zusammen,gerade habe ich dieesn Artikel gelesen. Mir ist diese Firma im Internet bereits negativ aufgefallen. Ca. 40 € ffcr ein ganz allgemeines, unverbindliches Beratungsgespre4ch ist ffcr mich reine Abzocke. Dass dieses Unternehmen auf den schnellen Euro aus ist, kann man an mehreren Sachen erkennen. Das seltene Lambert-Eaton-Syndrom wird bei der Beratung gar nicht erst in Betracht gezogen, vermutlich aufgrund der deutlich geringeren Patientenanzahl im Gegensatz zur Myasthenia gravis. Die DMG kann sicherlich aufgrund ihrer ca. 3.000 Mitglieder ganz locker ebenso ein qualitatives Telefonat ffchren und Patienten mit allgemeinen Infos versorgen, kostenlose bzw. preiswerte Fachliteratur (z.B. der altbewe4hrte Myasthenie-Leitfaden) mit einbezogen. Und das alles ohne Abzocke!!! Ganz besonders Recherchen bzgl. Behandlungsmf6glichkeiten und spezialisierten Zentren ffcr fcppige knapp 200 € monatlich ist Wucher und nichts anderes als Ausnutzen von schwer kranken Patienten. Mit anderen Worten: Es fehlt an qualifizierten Myasthenie-Zentren!!! Mich wfcrde echt mal interessieren, was dieses Beratungsnetz denn so drauf hat, wenn ich z.B. ein Off-Label-Use-Medikament von der GKV nicht bezahlt bekomme? (z.B. CellCept, Ciclosporin, 3,4 DAP usw.) Hierffcr bin ich doch auf die Hilfe von Personen angewiesen, die absolute Erfahrung im komplizierten Off-Label-Use-Bereich haben. Mit gutem Gewissen kann ich sagen, dass man als Mitglied der DMG beratungsme4ssig hier bestens aufgehoben ist. Es bleibt jedem selbst fcberlassen, wo er sein Geld le4sst. Ich werde dieesn Service erst gar nicht in Anspruch nehmen. Ich habe dank der DMG wenigstens andere Patienten kennengelernt. Alleine das und die Versorgung mit Fachliteratur und wertvollen Adressen hierdurch ist ffcr mich der je4hrliche Beitrag allemal wert. Liebe Grfcsse aus der Kaiserstadt AachenJutta Oehlandt

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