21.05.2013

: Informationsblätter Mangelhaft – neue Studie von Finanztest

Die Stiftung Warentest hat die Informationsblätter zu riskanten Finanzprodukten geprüft – und für schlecht befunden. Gemeinsam mit der Verbraucherzentrale wurden die seit einem Jahr verpflichtenden Unterlagen unter die Lupe genommen. Denn diese Informationen sollen Anleger verständlich und vergleichbar über Chancen und Risiken der Anlage informieren. Seit dem 01. Juni 2012 sind diese leicht verständlichen Informationen Pflicht. Doch kommen die Anlage-Anbieter dieser Verpflichtung nach? Dies untersuchte die Stiftung Warentest mit den Verbraucherorganisationen.

Informationsblätter mit Mangelhaft bewertet

Mit keinen allzu rosigen Ergebnissen. Im Klartext: Die Ergebnisse sind verheerend. Die meisten Informationen bewertet Finanztest als mangelhaft. Sie sind schwer verständlich, für den Verbraucher wenig hilfreich und erfüllen sogar oft nicht einmal die gesetzlichen Vorgaben. Dieses Ergebnis war in der Deutlichkeit nicht zu erwaten gewesen. Denn viele Anbieter haben sich viele Gedanken zu diesen Informationen gemacht, haben intern viel Arbeit in die neuen Informationsblätter gesteckt. Umso verwunderlicher ist dieses Scheitern auf breiter Front im Angesichts des Urteils von Finanztest.

Welche Konsequenzen können diese Ergebnisse haben?

Diese negativen Ergebnisse können auf mehreren Ebenen Konsequenzen haben. Durch die nicht miszuverstehende Kritik der Verbraucherschützer wird der Gesetzgeber gezwungen zu handeln. So fordern die Verbraucherschützer deutlich strengere Gesetze. Vorbild hierfür könnte beispielsweise die Entwicklung in der Pharmabranche seit 2005 sein. Auch dort wurde durch starke Regulierung in Bezug auf den medizinischen Beipackzettel für den Verbraucher effektive Maßnahmen getroffen, um die Unternehmen zu mehr Verständlichkeit zu verpflichten.

Dabei wurde vor allem der Readability User Test eingeführt. Dieser Test erfordert, dass jeder Beipackzettel mit Verbrauchern getestet wird, bevor eine Zulassung erfolgt. Sollten die Vorgaben des Gesetzgebers bei den Informationsblättern weiterhin nicht ausreichend verständlich sein, dann ist es gut möglich dass der Gesetzgeber mit deutlich restriktiveren Vorgaben dafür sorgen wird, dass die Informationsblätter verständlicher werden. Die dazu möglichen Maßnahmen reichen von verpflichtenden (und teuren) Verständlichkeitstests (Readability User Test) bin zu verpflichtenden Formulierungen.

Während beispielsweise engere Vorgaben bei Formulierungen positiv für die Ersteller sein können, denn man muss sich über einzelne Formulierungen keine Gedanken mehr machen, werden andere Maßnahmen mit teilweise sehr hohen Kosten verbunden sein. Aber nicht nur der Kostenfaktor bei einem Lesbarkeitstest werden hier ins Gewicht fallen – auch der Zeitaspekt muss hier berücksichtigt werden. Denn zum einen dauert der Verständlichkeitstest eine gewisse Zeit – zum anderen kann es deutliche Verzögerungen geben, wenn der Test nicht bestanden wird. Auch Umstellungen in der IT können hierbei ins Gewicht fallen. Denn die Erstellung von Infromationsblättern ist schon lange keine reine sprachliche Aufgabe mehr.

Die Ersteller von Informationsblättern sollten daher ein gesteigertes Interesse haben, solchen restriktiveren Maßnahmen durch die Erstellung verständlicher Informationsblättern zuvorzukommen. Aber wie?

Wie erstellt man verständliche Informationsblätter?

Es sind immer wieder dieselben Barrieren, die in Informationsblättern für Unverständlichkeit sorgen:

– Zu lange Sätze/Schachtelsätze

– Fachsprache/Fachbegriffe

– Juristische Fachsprache

– Nominalstil und Passiv

– Fehlende Beispiele (Abstraktheit)

– Fehlende Informationen

Diese Barrieren sind für sich genommen alle relativ einfach zu beheben. Allerdings empfiehlt es sich, bei der Überarbeitung dieser Unterlagen externe Hilfe in Anspruch zu nehmen. Denn oft ist es für Experten nicht nachvollziehbar, wo für Laien Barrieren stecken – denn der Experte lebt oft in seiner eigenen Sprachwelt. Die aber für Laien meist nicht verständlich ist. Daher sollten Unternehmen auf proffessionelle Hilfe zurückgreifen.

Verständliche Informationsblätter zu erstellen ist jedoch mehr als einen Text korrigieren. Zum einen muss ein Prozess definiert werden, wie Informationsblätter unternehmensübergreifend auf einen gleichen Stand gebracht werden. Zum anderen müssen Verbesserungen und alternative Formulierungen durchgängig in allen Informationsblättern gleich optimiert werden. Lösungen finden sich hier in strukturierten Prozessen, wie beispielsweise dem TextLab-Prozess.

Bei Informationsblättern müssen jedoch auch weitere Aspekte bedacht werden: So spielt beispielsweise das Layout eine sehr große Rolle. Hier muss sehr gut überlegt werden, wie die Informationen grafisch aufbereitet werden, was für Diagramme verwendet werden und welche Informationen sprachlich und welche grafisch gegeben werden.

Andererseits ist es wichtig, dass den Lesern konkrete Beispiele, insbesondere Rechenbeispiele, an die Hand gegeben werden. Denn oft werden Risiken oder Pflichten nur sehr abstrakt beschrieben. Und sind damit für Jemand, der nicht 8 Semester Finanzen studiert hat oft völlig unverständlich. Bei allen Maßnahmen ist zu bedenken, dass es technische Maßnahmen sind, die teilweise bis in die IT-Strukturen eines Unternehmens eingreifen.

Dennoch müssen diese Maßnahmen in absehbarer Zeit von Anbietern strukturiert angegangen werden. Bevor der Gesetzgeber mit deutlich restriktiveren Vorgaben einen deutlich größeren Scnitt vornimmt, und die Anbieter vor weit größere Probleme stellt. Denn verständliche Informationsblätter zu erstellen ist kein Hexenwerk.

Weitere Informationen: Spiegel Online Artikel

Veröffentlicht von:

Anikar Haseloff

Anikar Haseloff

Als Kommunikationswissenschaftler beschäftigt sich Dr. Anikar Haseloff tagtäglich mit Sprache. Er lehrt und forscht zum Thema Verständlichkeit an mehreren Universitäten in Deutschland.

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